Nein zum Golfplatz im Göttinger Süden

Dies ist die ungekürzte Fassung eines Leserbriefs an das Göttinger Tageblatt.

Ackerflächen sollen durch kurzgeschorenen und massiv gedüngten Rasen aufgewertet und Bodenbelastungen verringert werden?

Eine einfache Rechnung zeigt: Auf landwirtschaftlichen Intensivflächen, wie es die angesprochenen Ackerflächen rund um die ehemalige Bauschuttdeponie sind, werden nach verschiedenen Quellen heute immer noch mehr als die politisch angestrebten 80 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr eingebracht.
Allerdings: Auf den geplanten „Greens“ des Golfplatzes ist der Einsatz von 250-400 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr vorgesehen, um die auf vier Millimeter kurzgeschorenen Rasenflächen in der gewünschten “Qualität” zu halten. Das ist bis zum Fünffachen des Zielwertes für die bestehenden Ackerflächen! Von einer Aufwertung kann hier niemals die Rede sein, denn auch bei den heute schon intensiv gedüngten Ackerflächen bedeutet die Golfplatznutzung eine weitere Zunahme der Stickstoffeinträge.

Von den ökologisch wertvollen Flächen im Bereich der Bauschuttdeponie ganz zu schweigen: Es geht hierbei nicht nur um Hecken und Obstbäume sondern vor allem um extensives Grünland und Brachflächen, den am meisten bedrohten Lebensraum in unserer Agrarlandschaft. Mindestens sieben Hektar davon sollen zukünftig mit einer riesigen Menge künstlichem Dünger versorgt werden! Durch diese intensive Düngung werden auch die umgebenden 88 Prozent Restflächen und durch die Entwässerung auch die weitere Umgebung in Mitleidenschaft gezogen, denn der massive Düngerüberschuss bleibt nicht wo er ausgebracht wurde: Durch Regen und die ständige künstliche Bewässerung wird er in den Untergrund und die Umgebung ausgewaschen. So wird es auf den Ackerflächen und besonders den gesamten rund 28 Hektar der ökologisch wertvollen Bauschuttdeponie zu einer starken Nährstoffanreicherung kommen – ein Horror für die bisherige Vielfalt der Pflanzenarten in diesem Bereich, die dann einer Handvoll “Nährstoffzeigern” wie zum Beispiel der Brennnessel weichen müssen.

Dies hat dann wiederum Auswirkungen auf das verbleibende Leben in den Hecken und Gebüschen: Mit einem Nestplatz für Dorngrasmücke oder Nachtigall ist es nicht getan. Alle Vogelarten benötigen zur Jungenaufzucht eine große Menge an Insekten, diese wiederum brauchen spezielle Pflanzen für ihre Entwicklung. Dabei ist nahezu jede Insektenart auf andere Pflanze angewiesen. Auch wenn also die Gebüsche als Nistplätze großteils bestehen bleiben (sollen), wird den Vögeln und anderen Kleintieren ihre Nahrungsgrundlage entzogen.

Und gar nicht beachtet wird hierbei die Fülle der Tierarten, die in den Wiesen und Brachflächen lebt und Gebüsche sogar meidet! Hierunter sind die am stärksten bedrohten Arten unserer Agrarlandschaft wie Rebhuhn und Wachtelkönig! Mit der Anlage von Blühstreifen ist es hier nicht getan: Große Grünflächen benötigen diese beiden streng geschützten Vogelarten als Lebensraum – die wird es jedoch nach Zerschneidung durch die Golfbahnen nicht mehr geben!

Auch unter sozialen Gesichtspunkten kann hier nicht von einem Gewinn gesprochen werden: Der “Entstehung neuer Wegebeziehungen” steht zu allererst die Zerschneidung einer Vielzahl der bestehenden Wege oder kleinen unbefestigten Pfade entgegen, die gerade den Reiz des Gebietes für die Naherholungssuchenden aus Geismar ausmachen. Und der Bau eines Restaurants würde nur weitere Kaufkraft aus dem Bereich der Stadt entziehen und so die vielen kleinen gemütlichen Cafés gefährden.

Niemand hat etwas gegen einen Golfplatz – Sport- und Freizeitinteressen haben ebenso einen berechtigen Stellenwert wie der Naturschutz – aber bitte nicht im nahezu letzten verbleibenden Rückzugsraum für die Flora und Fauna der Agrarlandschaft in Göttingens Umgebung!

Text: David Singer, Student Biologische Diversität und Ökologie, Göttingen

Es gibt eine Kampagnenseite gegen den geplanten Golfplatz sowie eine Online-Petition.

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