Mai: Flugakrobaten über dem Wasser

Der Frühling ist mittlerweile weit fortgeschritten und die warmen Sonnenstrahlen lassen zahlreiche Insekten aktiv werden. Mit rasanten Flugkunststücken und bunten Farben sind Libellen eine besonders auffallende Insektenordnung. An sonnigen Tagen ist in Gewässernähe schon einiges los – schaut doch selbst mal nach!

Wahrscheinlich wird euch schon bald auffallen, dass es zwei sehr unterschiedliche Gruppen von Libellen gibt: Großlibellen mit kräftigem Körper flitzen meist blitzschnell über dem Wasser oder am Ufer, zum Teil auch in großer Höhe umher. Wenn sie sich hinsetzen halten sie ihre Flügel stets ausgebreitet und wenn man genauer hinschaut sieht man, dass die Augen dicht zusammen stehen, bei den meisten Arten berühren sie sich sogar. Kleinlibellen sind dagegen meist weniger schnell unterwegs und fliegen häufig auch recht versteckt in der Ufervegetation umher. Sie klappen in Ruhestellung ihre Flügel über dem Rücken zusammen und ihre Augen stehen weit auseinander.

Gerade am Anfang ist es hilfreich, die Tiere zu fangen und für die Bestimmung ganz aus der Nähe anzuschauen. Kleinlibellen hält man am besten, indem man sie an den über dem Rücken zusammengeklappten Flügeln nimmt. Großlibellen kann man am besten seitlich an Vorder-und Hinterflügel einer Seite halten. Passt jedoch auf, wenn ihr euch gerade mit Sonnencreme eingeschmiert habt – wenn davon noch was an den Fingern klebt, kann das die Flügel der Libelle verkleben.

Beachtet außerdem, dass Libellen unter Schutz stehen und nur mit Genehmigung der Naturschutzbehörde gefangen werden dürfen. Eine andere Methode ist, Fotos zu machen und vom Foto zu bestimmen. Um später alle wichtigen Merkmale erkennen zu können, solltet ihr am besten Fotos aus verschiedenen Richtungen machen. Die schon Geübteren können auch mit dem Fernglas schauen – dazu braucht man aber eins, das auch auf geringe Entfernung scharf stellen kann. Vor allem für Großlibellen ist das eine gute Möglichkeit, da diese sich oft sowieso nur sehr schwer mit dem Kescher fangen lassen.

Mit etwas Glück könnt ihr sogar frisch geschlüpfte Libellen beobachten, die in der Ufervegetation sitzen und darauf warten, dass ihre Flügel fertig aushärten, ihr erkennt sie daran, dass die Flügel noch milchig sind und der Körper manchmal noch nicht richtig ausgefärbt ist. Diese frisch geschlüpften Tiere dürft ihr nicht berühren, sonst verkleben ihre Flügel und sie können nicht fliegen. Ein Blick in die Ufervegetation lohnt sich außerdem aufgrund der Exuvien, das sind die Häute des letzten Larvenstadiums, aus denen die fertigen Libellen geschlüpft sind. Die Larven der Libellen leben im Wasser und ernähren sich von anderen Wasserbewohnern. Zum Schlüpfen klettern sie meist an Pflanzen aus dem Gewässer. Die Larvenhaut bleibt  am Schlupfort hängen und gibt Informationen über den Fortpflanzungserfolg der Libellen an einem Gewässer, bei jeder Art, von der man eine Exuvie findet, kann man sagen, dass sie sich in diesem Gewässer vermehrt hat.

 

Im Folgenden sollen nun noch ein paar häufige Kleinlibellen kurz vorgestellt werden:

Tandem der Gemeinen Becherjungfer, Enallagma cyathigerum; Foto: Clara

Tandem der Gemeinen Becherjungfer, Enallagma cyathigerum, vorne das Männchen, hinten das Weibchen; Foto: Clara

Besonders häufig findet man an Seen die Große Pechlibelle (Ischnura elegans), ihr Hinterleib ist dunkel gefärbt, nur das 8. (von hinten das 3.) Hinterleibssegment ist blau, bzw. bei den Weibchen oft auch eher grünlich-braun. Zwei weitere Arten, die man sehr oft zu sehen bekommt, sind die Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum) und die die Federlibelle (Platycnemis pennipes). Die Gemeine Becherjungfer erkennt man an dem von der Seite blauen Thorax mit nur einem kurzen schwarzen Strich, ihre Hinterleibszeichnung ist variabel, aber in jedem Fall blau-schwarz gestreift. Die Federlibelle hat im Gegensatz zu den beiden ersten Arten auf dem Kopf keine hellen Flecken sondern  zwei helle Streifen hat und die mittleren und hinteren Unterschenkel sind verbreitert mit einem schwarzen Längsstrich und sind lang behaart.

Es gibt natürlich noch viel mehr Libellen als die hier erwähnten, also viel Spaß beim Entdecken!

 

Quellen/Tips zum Weiterlesen:

Natürlich der DJN-Libellenschlüssel von Arne Lehmann und Hendrick Nüß 😉

Dijkstra, K.-D.: Libellen Europas: Der Bestimmungsführer, Haupt-Verlag 2014

 

Verfasserin: Clara

Bild oben rechts: Vierfleck, Libellula quadrimaculata, wie ihr sicher bemerkt habt eine Großlibelle; Foto: Clara

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