Auf der Suche nach Rindenschröter und Gartenschläfer

30 Teilnehmer beim Biodiversitätscamp des Deutschen Jugendbunds für Naturbeobachtung
Pressemitteilung Nr. 77/2019 der Nationalparkverwaltung Bayrischer Wald, vom 12.08.2019:


Pressebild
Ein Teil der Camp-Teilnehmer hat am Latschensee gerade eine
Libelle gefangen. Nach Literaturrecherche ist sicher: Es ist eine Hufeisen-Azurjungfer. (Foto: Gregor Wolf/Nationalpark Bayerischer Wald)


Zwieslerwaldhaus/Frauenau. Leises Surren durchbricht die Stille. Die Sonnenstrahlen spiegeln sich auf der Wasseroberfläche. Ganz sanft wippen die Zapfen der Latschen im Wind. Und mittendrin tummeln sich ein paar Kleingruppen junger Naturfans aus ganz Deutschland. Einige davon blicken in Bestimmungsbücher, andere sind dabei Libellen oder Käfer zu fangen. Unterwegs sind sie im Rahmen eines Biodiversitätscamps rund um den Latschensee im Nationalpark Bayersicher Wald. Ihr Ziel: Möglichst viele spannende Arten finden.

Insgesamt neun Tage lang sind die 30 Teilnehmer im Alter von 12 bis 27 Jahren im kompletten Schutzgebiet auf Erkundungstour. Organisiert wird das Camp vom Deutschen Jugendbund für Naturbeobachtung. Finanzielle Unterstützung kam vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Organisatorische Hilfe bot der Nationalpark, der die Gruppe zum Beispiel im Wildniscamp einquartierte.

„Mein Highlight war bislang ein kleiner Hirschkäfer, der Rindenschröter“, erzählt Jakob Jilg aus Eberswalde. Gefunden hat er das Urwaldrelikt im Hans-Watzlik-Hain. „Unter der Rinde einer toten Weißtanne“, wie er ergänzt. „Es ist total spannend, wie viele Arten sich in der Wildnis tummeln“, findet auch Clara Bultmann aus Oldenburg. Fasziniert sei sie vor allem von der hohen Anzahl an Tieren, Pflanzen und Pilzen, die große Mengen Totholz zum Überleben benötigen.

Begleitet wird die Gruppe von Jonas Hagge, selbst lange Jahre Vereinsmitglied und Nationalparkmitarbeiter im Bereich Biodiversitätsforschung. „Viele der Teilnehmer haben schon in jungen Jahre eine richtig gute Artenkenntnis“, lobt Hagge. Genau deswegen habe man sich auch entschlossen die Gruppe zu unterstützen. Neben dem Artensterben, das allein schon alarmierend genug sei, gebe es nämlich derzeit in der Gesellschaft auch einen Verlust an Artenkenntnis. „Umso wichtiger ist das Engagement der jungen Leute, um sich auf diesem Feld weiterzubilden.“

Neben Totholzkäfern, Fledermäusen und seltenen Moorarten hatte sich die Gruppe auch auf die Suche nach dem im Nationalpark seit langem verschollenen Gartenschläfer gemacht. Das kleine Nagetier haben die jungen Artenkenner zwar noch nicht entdeckt, dafür kam ihnen eine lebende Schlingnatter unter. Dies war erst der zweite bestätigte Nachweis dieser ungiftigen Schlangenart für das Gebiet des Nationalparks.

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