Was blüht denn da im Bratental?

Ein kleiner Rückblick auf den GEO-Tag der Artenvielfalt am 13. Juni 2009 im Naturschutzgebiet Bratental bei Göttingen.

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Was blüht denn da im Bratental?

Das Leben! Und in was für einer Fülle.

Uns davon selbst zu überzeugen, zogen wir DJNers eines schönen Morgens los. Es war ein Samstag im Juni. Doch wir waren nicht allein. Naheeeeiin!!! Mit uns kamen zwei Jungs aus dem GUNZ (Göttinger Umwelt- und Naturschutzzentrum): Reinhardt Urner von der BSG (Biologische Schutzgemeinschaft Göttingen) und Hermann Merkordt vom BUND. Gemeinsam mit den beiden hatten wir für diesen Samstag einen verwegenen Plan geschmiedet. Wir wollten einen Schatz entdecken: die Artenvielfalt im Bratental, einem 115 ha großen Naturschutzgebiet in der Nähe von Göttingen. Hier wollten wir also auf die Suche gehen nach Schmetterling und Orchidee, nach Löwenzahn und Wiesenklee. Aber das sollte nicht nur für uns geschehen, sondern wir wollten noch möglichst viele andere Leute mitnehmen, um sie für die Schönheit und Reichhaltigkeit der Natur in ihrer unmittelbaren Umgebung zu begeistern.

Dafür hatten wir drei Exkursionstermine in der örtlichen Presse bekannt gegeben und tatsächlich stellten sich schon am Morgen die ersten Besucher ein. Manche waren zu Fuß gekommen, andere mit dem Fahrrad und einige beförderte Reinhardt mit dem Auto zum Treffpunkt. Zum unserer Freude waren noch einige andere BSG-Mitglieder gekommen, die zum Teil Insekten- oder Pilzexperten waren, so wie noch einige interessierte Leute. Die Gruppe war schließlich so groß, dass sie zwei geteilt werden musste: ein Teil widmete sich den Tieren, der andere der Botanik.

So streiften wir durch die Wiese und erfassten alles, was uns vor die Füße und unter die Augen kam, sodass am Ende des Tages eine beeindruckende Zahl von 274 Pflanzenarten, u.a. einige Orchideen wie Fliegenragwurz (Ophris insectifera) oder das Dreizähnige Knabenkraut (Orchis tridentata) und auch einige Tierarten zusammen kam, wobei anzumerken ist, dass keinesfalls die gesamte 115 ha große Fläche kartiert wurde.

Die hohen Artenzahlen sind vor allem auf den Strukturreichtum des Gebietes zurückzuführen, das sich aus von Trockengebüschen umrandetem Halbtrockenrasen, mesophilem Grünland und Glatthaferwiesen zusammensetzt. Ein »mosaikartiges Nebeneinander von naturnahem Kalktrockenrasen und deren Verbuschungsstadien sowie einem ausgewogenen Verhältnis zwischen lückigen, kurzrasigen, hochwüchsigen, gehölzfreien und gehölzreichen Partien einschließlich ihrer typischen Tier- und Pflanzenarten verleihen diesem Lebensraum seine Eigenart und besondere Schönheit«, um es mit den Worten der Naturschutzbehörde zu sagen, denn leider sind Flächen wie das Bratental keine selbstverständlichen Landschaftselemente mehr. Änderung der Landnutzungsform, d.h. Aufgabe oder Intensivierung der Landwirtschaft oder Aufforstung sind die Hauptgründe für das Verschwinden von Kalkmagerrasen.

Dass wir heute dennoch Gebiete finden können, die für Trockenheit und Wärme ertragende Spezies ein Refugium bilden, sodass Arten wie der Bergklee (Trifolium montanum) oder der Schmalblättrige Lein im Bratental ihre nördlichste Verbreitung haben, ist vor allem regelmäßigen Pflegeeinsätzen zu verdanken. Auch andere Arten, die in der intensiv genutzten Agrarlandschaft nicht mehr bestehen können, finden hier einen adäquaten Lebensraum.

Aber nicht nur für Tiere und Pflanzen ist das Bratental ein Lebensraum. Auch wir Menschen haben an diesem Ort wunderschöne Stunden erlebt – gemeinsam mit über 300 anderen Arten. Sie alle einmal persönlich kennen zu lernen: die Kleine Wollbiene (Anthidium punctatum) mit ihrer schönen schwarz-weißen Zeichnung, die braune Zauneidechse (Lacerta agilis), die in ihrem dicken Bauch wahrscheinlich gerade Eier trug oder den farbenprächtig blühenden Ackerwachtelweizen (Melampyrum arvense), bei jeder einzelnen Art hat sich die Bekanntschaft gelohnt und man wünscht sich sie auch einmal an der ein oder anderen Stelle wieder zu treffen.

Unser Mission also einen Schatz zu finden, haben wir erfüllt. Viel mehr haben wir sogar nicht nur einen, sondern einen Fülle von kleinen Schätzen, wunderbaren Geschöpfen der Natur entdeckt.
Viva la Vida! Möchte man da nur noch rufen und hoffentlich bis zum nächsten Jahr, wenn es wieder gilt zum GEO-Tag der Artenvielfalt einen Reichtum zu suchen, den kein Geld der Welt aufwiegen kann.

Text: Henrike Möhler, Fotos: Lisa Horning, Sven Neudeck & Philipp Meinecke

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