Bericht: Orchideen und Bienenfresser am Kaiserstuhl

Rückblick auf das Kaiserstuhlseminar 2012

Sonne, sehr freundliche und etwas anders sprechende Leute und tolle selbstgebastelte Pfeile begrüßten die DJNer in Bötzingen und führen sie zu einem wundervollen Bauernhof. Dort war das Südlerzelt im Garten schon aufgebaut wir mussten nur noch unsere Sachen verteilen und das Essen war sogar auch schon fast fertig! Am 25. Mai brach also eine Horde DJNer dank der Einladung von Martin in den tiefen Süden auf, um in den nächsten Tagen den wunderschönen Kaiserstuhl zu erkunden.

In der gemütlichen „Draußen(Sommer)-Küche“ mit den Sofas nahmen wir dann das tolle Abendessen ein und schlüpften schon bald in die Heia, es war schon spät geworden. Der außerordentliche Blumenstrauß mit Pyramiden-Orchis, Klappertopf und Wiesen-Salbei wurde aber noch durchbestimmt und bewundert.

Früh am nächsten Tag ging es schon los, der Busfahrer war über den Andrang recht erstaunt, wir kamen dem Kaiserstuhl immer näher. Weinberge und Trockenrasen prägten die Landschaft und wir versuchten uns erst einmal an einigen Gräsern.

Greifvögel und eine Schlingnatter (die uns als Fotomodell dienen musste) waren die ersten Highlights. Und dann wunderschöne Smaragdeidechsen! Die schillerten so wundervoll blaugrün und wurden auch auf etlichen Fotos festgehalten. Aber auch die Pflanzenwelt hatte einiges zu bieten: Wir lernten Quendelblättriges Sandkraut und Färberwaid kennen, fanden eine Sommerwurz und die ersten Orchideen (Pyramiden-Orchis)

Schmetterlingshafte, Ameisenjungfer (Adultes Tier des Ameisenlöwen) und etliche Schwebfliegen ließen uns staunen, dabei waren wir noch gar nicht richtig bei der Trockenwiese angekommen. Typische Vertreter wie Klappertopf, Wundklee, Mittlerer Wegerich, Bergklee, Färberginster waren aber bei unserer Mittagspause oben auf dem Berg zu bewundern.

Bei Abstieg ins nächste Tal, wieder an Weinbergen entlang sichteten wir auch Neuntöter und die ersten Bienenfresser aus der Ferne. Dort trafen wir eine Socke, Reinhold Treiber, der uns eines seiner Projekte vorstellte. Die alten, schmal gebauten Weinterrassen dort wurden zwecks effektiverer Bewirtschaftung im Zuge einer Flurbereinigung durch größere Terrassen ersetzt. Dadurch wurde allerdings der Lebensraum vieler Trockenrasenbewohner zerstört. Reinhold hatte mit einem kleinen Mähdrescher die Samen der intakten Trockenrasen geerntet und an den steilen Hängen zwischen den Terrassen eingesät. Wir durften mit ihm eine Bestandsaufnahme machen, die verschiedenen Arten an bestimmten Punkten aufnehmen und deren Flächenanteil schätzen. Obwohl wir durch unsere Wanderung schon recht kaputt waren (die Sonne schien erbarmungslos) war es super interessant, so ein Artenschutzprojekt kennen zu lernen und zu erkennen, wozu Artenkenntnis so wichtig ist. Zum Beispiel ist Wundklee ein Zeichen dafür, dass sich der Trockenrasen etabliert und es war toll zu sehen, dass dort schon Smaragdeidechsen den Lebensraum als nicht-Pionierarten angenommen hatten. Auch in die faszinierende Welt der Schwebfliegen wurden wir eingeführt und zum Abschluss an einer schönen Orchideenwiese wurden wir fast alle wieder munter: Affenknabenkraut, Brandknabenkraut, große Sommerwurz (parasitiert die Skabiosen-Flockenblume) und Hummelragwurz. Und schöne Kirschen gab es in dem Tal=)

Einige von uns liefen zurück, die anderen fuhren wieder Bus. Dann ging es mit einigen Hofleuten nackt baden und nachdem alle satt waren, waren wir schon wieder zu müde zum Singen.

Der nächste Tag war etwas ruhiger, wir bekamen Zuwachs von Erik dem Tannenlausexperten und einigen Ortsgruppenmitgliedern aus Freiburg. Unser Zeltmitbewohner, die Maulwurfsgrille, musste vor dem Frühstück noch Fotomodell spielen. Wir unternahmen eine schöne Wanderung ins Liliental mit weiteren Eidechsen (diesmal aber Zauneidechsen) und botanischen Neuheiten wie die Knotige Braunwurz oder Baldrian. Wir stellten uns auch einmal gegenseitig die gefundenen Neuheiten vor, sodass jeder etwas dazu beitragen und lernen konnte. Rainers Kescher führte uns ein wenig in die Insektenwelt der Feldwege und Weinberge ein.

Nachdem wir den Berg und einen schönen Wald über- und durchquert hatten war Mittagspause angesagt. Jeder konnte für sich an einem kleinen Weiher verschiedene Libellenarten (Frühe Adonislibelle und Hufeisen-Azurjungfer), Waldsimse, Winterschachtelhalm oder Wasserfelder entdecken oder einfach ein wenig schlafen. Zum Abschluss gingen wir auf eine Wiese, die beim letzten Seminar am Kaiserstuhl (in strömenden Regen) aufgenommen wurde, weil die Wiese ein Parkplatz werden sollte. Zum Glück gab es die Wiese noch und es waren zahlreiche Orchideenarten und Exemplare zu bewundern: Weißliche Waldhyazinthe, Pyramidenorchis, Großes Zweiblatt, Helmknabenkraut, Stattliches Knabenkraut und Vogelnestwurz. Ein Teil der Gruppe ging nach Hause, einige blieben auf der Wiese liegen und philosophierten über den DJN und eine kleine Gruppe mit weiterer Wissbegierde erkundetet noch eine weitere schöne Wiese mit weiterem Besonderheiten wie verschiedenen Wachtelweizenarten und einer weiteren Orchideenart. Zurück in unserem wunderschönen Quartier wurde endlich gesungen und die Solardusche benutzt. Dann gab es fantastische selbstgemachte Spätzle, die wir mit den Bauernhofbewohnern und Handwerker teilten.

Am nächsten Tag mussten die ersten schon wieder los, aber weitere Freiburger Ortsgruppenmitglieder und einige andere Glückliche durften noch einen Tag im Feld verbringen.

Es war ein wunderschönes Seminar, es gab fantastisches Essen und es war so eine schöne Atmosphäre auf dem Hof, dass ich am liebsten eingezogen wäre. Naturkundlich haben wir viel gelernt und tolle Besonderheiten entdecken dürfen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir nächstes Jahr ein Sommerlager im Süden haben werden, der Süden ist schon eine Reise wert! Danke Marie und Martin!

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