Naturerlebnisstage Katinger Watt – Rückblick

Rückblick 2005

Auf Eiderstedt demonstrieren etliche aufgebrachte Bauern, da die schleswig-holsteinische Landesregierung den unglaublichen Schritt gewagt hat, geltendes EU Recht in die Tat umzusetzen.
Die unerträgliche Forderung, die an die Landwirte ergeht ist: „Bewirtschaftet euer Land nachhaltig und sorgt weiterhin für den Erhalt der einmaligen Vogelwelt auf den Grünlandflächen der Halbinsel!“
Die Bauern reagieren so verärgert, dass sie reihenweise wertvolle Grünlandflächen umbrechen und – dem Bioethanolboom sei Dank – gewinnträchtig mit grellen Rapsmonokulturen bestücken. Gleichzeitig skandiert der aufgebrachte Mob mit gehaltvollen Sätzen wie „Wir sind gut zu V/vögeln“, dass ihnen der Artenschutz sogar am Herzen liege und lediglich böse Bürokraten in Brüssel verantwortlich seien, für ihren Racheakt an Trauerseeschwalbe und Co.

Redebereitschaft sei auch vorhanden, solange nach ihren Spielregeln gespielt werde.
Auf jeden Fall müsse die europäische Mehrheitsgesellschaft Respekt wahren vor dem „Blut und Boden“ der friesischen Bauern, die trotz gnadenloser Entwässerung und überwiegend rein kapitalorientierter Landwirtschaft der Halbinsel, immer noch meinen, besser Bescheid zu wissen als die vielen Diversitätsforscher und Artenschutzexperten, die mit dem „Natura 2000 Projekt“ den entscheidenden Durchbruch zum Erhalt der europäischen Biodiversität manifestieren konnten.
Und zu jedem vernünftigem (ur-)deutschen Protest gehören natürlich klare Feindbilder, diesmal erwischte es besonders den Naturschutzbund Deutschland, der auf Eiderstedt seit vielen Jahren die vorhandenen Vogelpopulationen betreut und kartiert. Vergessen ist der seit Jahren aufwendig betriebene Aufbau eines sanften Tourismus’ durch die Schaffung und Betreuung zahlreicher Schutzgebiete, die sich nicht zuletzt in den vielen Hofläden und „Urlaub auf dem Bauernhof“-Angeboten der Regionen niederschlagen.
Neben etlichen Protestplakaten, auf denen die drohende „Ökodiktatur“ angeklagt wird, beweisen sich die Landmänner mit Eierwürfen auf den amtierenden Landesumweltminister und üblen (Droh-)briefen gegen die regionalen Umweltschützer ihre demokratischen Fähigkeiten.
Die Naturerlebnisstage bekommen kurzfristig eine Absage für die Veranstaltungswiese, auf der die Messe die letzten Jahre problemlos stattfinden konnte.
Die Veranstaltung kann in den folgenden Jahren lediglich in sehr kleinem Rahmen stattfinden. Der DJN verzichtet aufgrund des chronischen Platzmangels auf dem Gelände des Infozentrums Katinger Watt auf eine Teilnahme an der Messe und mit ihm zahlreiche Teilnehmer, die in den Jahren davor zahlreiche Tagestouristen auf die Halbinsel locken konnten.
2008 gelingt es dem DJN nach 4 Jahren wieder, einen Stand auf der Messe zu präsentieren und somit auch dem Respekt und der Solidarität mit den zähen Naturschützern vor Ort ein Gesicht zu geben.

Naturerlebnisstage 2008

Die Messe beginnt für mich mit einem Besuch im Regionalpädagogischen Infozentrum (RUN) in Neumünster. Hier warten die ganz besonderen Hauptdarsteller unseres Messestandes auf mich: zwei ausgewachsene und »Gott sei Dank« stresserprobte Kornnattern.
Ihre Aufgabe wird es sein, als Repräsentanten ihres viel geschundenen Tiergeschlechtes, hautnah Werbung für einen respektvollen, aber nicht ängstlichen Umgang mit Schlangen zu machen.
Die Tiere entpuppen sich von Anfang an als Vollprofis, denn nicht nur ich, sondern auch meine vier Mitstreiter sind in den Bann gezogen von den beiden wunderschönen Tieren, die sich dazu noch als ausgesprochen neugierig und kontaktfreudig erweisen.
Angekommen an der Eidermündung empfängt uns ein munteres Gewusel. Die Vorbereitungen für die Messe sind in vollem Gange, Tische werden durch die Gegend geräumt, Menschen stolpern von einer Aufgabe in die nächste und registrieren uns Neuankömmlinge allerhöchstens mit einem flüchtigen »Moin, Moin!«.
Nachdem wir uns Gehör verschafft haben, wird uns der Stand zugewiesen. Freudig überrascht über die Tatsache, dass uns ein Großteil der Vorbereitungsarbeit durch das Team des Infozentrums abgenommen wurde, können wir uns in die Unterkunft zurückziehen.
Der nächste Tag zeit sich im besten Messewetter; von der gestrigen Aufregung ist im Infozentrum wenig zu merken. Ausgedehntes Frühstücken steht auf dem Programm. Auf der Messe selbst präsentieren sich neben div. Optikfirmen Menschen wie der Vogelmaler Christopher Schmidt, der durch die Illustrationen verschiedener ornithologischer Kalender und Buchtitel bundesweite Bekanntheit erlangen konnte, der Naturschutzprodukteshersteller „Schwegler“ und der Landesjagdverband. Auch die lieben Kollegen von der NaJu versuchen, durch das Bemalen vorbei kommender Kinder und Junggebliebener, Mitglieder zu werben. Der Tag zieht sich hin und unsere Schlangen kommen ganz auf ihre Kosten. Regelmäßig bilden sich Trauben um die Tiere und die großen Augen von Jung und Alt lassen erahnen, wie weit das Pendel zwischen den Begriffen „Ekel“ und „Faszination“ zu schwingen beginnt und bei den Meisten über dem Begriff „Sympathie“ zum Erliegen kommt. Gleichzeitig werden interessante Fragen gestellt, wie beispielsweise, was denn nun der genaue Unterschied zwischen einem Aal und einer Schlange sei.
Etliche interessante Vorträge und Exkursionen bereichern das Gesamtprogramm der Naturerlebnisstage.
Der DJN stellt im Rahmen der Veranstaltung die Amphibien und Reptilien Schleswig Holsteins vor und bietet somit einen Vorgeschmack auf die Ende 2008 erscheinende, vollkommen überarbeitete Auflage des Reptilien und Amphibienschlüssels.
Ruhigere Momente erlauben meinen Mitstreitern und mir, den Messestand zu verlassen und selbst die Natur des Katinger Watt aus der Nähe zu betrachten. Neben den üblichen Verdächtigen wie Trauerseeschwalbe, Säbelschnäbler, Seeadler und Kampfläufer, gelingen uns auch Beobachtung von Zwergmöwen und einem Odinshünchen, die auf ihrem Zug in die Brutgebiete Zwischenrast an der Eidermündung eingelegt haben.
Ein Wermutstropfen ist, dass die Knabenkräuter in diesem Jahr aufgrund der kalten Witterung der Vortage in ihrer Entwicklung etwas zurück sind und uns somit lediglich ein blühendes Exemplar auf einer Wiese auffällt. Auch die Terekwasserläufer scheinen schon den Heimweg angetreten zu haben.
Der Sonntag verläuft ähnlich abwechslungsreich.
Die vielen Gespräche und verteilten Flyer des Wochenendes werden sich in den folgenden Tagen deutlich auf die Zugriffstatistik des naturbeobachtung.wordpress.com Blogs auswirken, was die Anderen und mich bestärkt, im folgenden Jahr wieder den Weg auf uns zunehmen und an den Naturerelebnisstagen teilzunehmen.

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