Rezension: Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Schmetterlinge Europas: Tag- und Nachtfalter. Quelle & Mayer Verlag. 464 S.

Von Sebastian Deiber

Seit einigen Monaten hat die Ortsgruppe Freiburg das Glück, mit dem örtlichen Naturkundemuseum zu kooperieren. Das gab uns die Möglichkeit, uns eingehend mit einer sehr reichhaltigen Sammlung an Schmetterlingskästen zu beschäftigen. Zur Bestimmung zogen wir das neue doppelbändige Werk „Taschenlexikon der Schmetterlinge Europas: Tag- und Nachtfalter“ von Wolfgang Willner heran, erschienen 2016 bei Quelle & Meyer.

Der erste Band beschäftigt sich mit allen Tagfalter-Arten (464 Arten) und der zweite mit den wichtigsten Nachtfalter-Arten aus allen Familien (800 vorgestellte Arten). Band eins zeigt also Anspruch auf Vollständigkeit, jedenfalls für seine Definition des europäischen Betrachtungsgebietes.

Beide Bände weisen recht ausführliche Einleitungsteile auf, die in den Punkten, die Tag- und Nachtfalter gemeinsam haben, identisch sind. Dieser einführende Teil beschäftigt sich allgemein mit der Biologie, der Gefährdung und dem Schutz der Schmetterlinge. Danach folgen die einzelnen Artportraits. Erläuterungen zum Aufbau des Lexikons finden sich nur im Nachtfalter-Band.
Die Artportraits selbst sind so lang wie nötig und so kurz wie möglich. Sie informieren recht ausführlich über die Größe, Bestimmungsmerkmale und Verwechslungsarten, Nahrungspflanzen der Raupen, Zahl der Generationen pro Jahr, Lebensräume, und schließlich über die Verbreitung innerhalb Europas. Am Schluss der Profile finden sich Diagramme zur Darstellung der Flugzeiten der Imagines und, wo bekannt, zu den Zeiträumen des Raupenstadiums. Leider fehlen geographische Verbreitungskarten.
Der Artenteil ist nach Familien gegliedert, wobei jede Familie zu Beginn kurz beschrieben wird. Innerhalb jeder Familie sind die Arten nach Alphabet sortiert und nicht nach systematischen Kriterien.

Nun fanden wird, dass dieses umfangreiche Werk sehr gut geeignet ist, um sich mit der Vielfalt dieser faszinierenden Insektenordnung zu befassen. Das Zusammenspiel von aussagekräftigen Texten und Abbildungen in meist guter Qualität geben auch dem Laien eine Chance dazu – auch wenn die Bestimmung bis auf Artebene nicht einfach bleibt.

Kritikpunkte betreffen zum einen das Fehlen von Verbreitungskarten, da es oft schwer ist, sich aus dem Text allein ein Bild von der Verbreitung zu machen. Die durchaus vorhandene Gliederung der Artportraits in Unterpunkte, also z.B. Kurzcharakterisierung, Nahrungspflanzen etc., ist im Textbild eher unstrukturiert. Außerdem wäre wohl eine systematische Gliederung innerhalb jeder Familie einer alphabetischen vorzuziehen gewesen, da einem so die Chance entgeht, sich der Verwandtschaftsverhältnisse bewusst zu werden. Des Weiteren wäre eine tabellarische, systematische Artenliste nett gewesen.

Alles in allem können wir dennoch auch angesichts des günstigen Preises eine klare Empfehlung für diesen Doppelband aussprechen. Qualität des Inhalts und der Buchbindung entsprechen den Erwartungen und die Optik ist sehr gelungen. Hinsichtlich der Tagfalter erhält man einen vollständigen Überblick und hinsichtlich der Nachtfalter einen großzügigen Ausschnitt aus der unglaublichen Artenvielfalt, die die Schmetterlinge alleine in Europa aufweisen.

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